| Rundholzmobilisierung: Pilotprojekt in Ost-Württemberg |
| 08/08/2007 - 10:23 |
Mit einer Forstwirtschaftlichen Vereinigung wollen Privatwaldbesitzer und das Landratsamt Ostalbkreis die Rundholzmobilisierung im Ost-Württemberg voranbringen. Was im benachbarten Bayern mit seiner Tradition an Forstbetriebsgemeinschaften wenig spektakulär erscheint, ist in Baden-Württemberg in Gebieten mit Kleinstprivatwald Neuland. Ende Juli präsentierten Vertreter der Privatwaldbesitzer und des Landratsamtes den Zeitplan bis zur endgültigen Umsetzung Anfang 2008. Größte Aufgabe wird in den kommenden Wochen sein, die Holzindustrie der Region ins Boot zu holen. Vertreter von Großsägewerken und KVH-Herstellern haben sich bereits auf dem Treffen am 25. Juli im Landratsamt Aalen informiert und haben wie Dr. Bertil Burian von Sturm Holzverarbeitung bereits ihr Interesse an dem Projekt signalisiert. Das Ziel ist ein unkompliziertes und zeitnahes Kooperationsmodell zur Professionalisierung der Holzvermarktung aus dem Privatwald.
Im Gegensatz zur Forstwirtschaftlichen Vereinigung Mittlerer Schwarzwald gilt es im Ostalbkreis fast ausschließlich Waldbesitzer mit weniger als 5 ha zur Holzernte aufzufordern. Auf größere Einheiten als Stütze für eines Vermarktungskonzeptes können die Projektleiter Forstdezernent Johann Reck und sein Stellvertreter Karl-Heinz Lieber (Foto re.) im Ostalbkreis nicht zurückgreifen. „Im Ostalbkreis befinden sich 17.000 ha Wald im Eigentum von 10.000 Waldbesitzern, meist ist der Waldbesitz noch auf zwei Parzellen verteilt. Diesen Strukturnachteil gilt es zu überwinden“, bringt Reck vom Landratsamt die Strukturprobleme auf den Punkt. Dem stehen auf Abnehmerseite Werke wie Klenk, Rettenmeier, Sturm, Ladenburger, Aurnhammer oder Pfleiderer (Gschwend) gegenüber.
Seit Januar 2007 arbeiten alle neun im Ostalbkreis vertretenen Forstbetriebsgemeinschaften an der Gründung eines forstwirtschaftlichen Zusammenschlusses, der die Interessen der Kleinprivatwaldbesitzer bündeln und stärken soll. Gotthilf Fischer betonte als Vertreter die Pilotfunktion des Zusammenschlusses der bislang nicht in der Holzmarktung aktiven Forstbetriebsgemeinschaften. Das Projekt ist so angelegt, dass es auf weitere Gebiete der Region Ost-Württemberg ausgedehnt werden kann.
Eine zentrale Rolle werden bei der Rundholzmobilisierung die Revierleiter haben. Da bislang nur 50% der Waldbesitzer über die Forstbetriebsgemeinschaften erfasst sind, ist schon allein die Mitarbeit der mit Hoheitsrechten ausgestatteten Forstverwaltung für die Datenerfassung notwendig. Die Holzvermarktung soll während einer Übergangszeit in enger Absprache zwischen dem neuen Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung und den traditionellen Vermarktungsstruktur der Kreisforstverwaltung erfolgen. Für Reck, Lieber und Fischer ist die professionalisierte Holzvermarktung das Fundament die darauf folgende Holzmobilisierung.
Allein schon wegen des straffen Zeitplans und der dringend notwendigen Verbesserung der Rundholzversorgung in der Region – Ladenburger projektiert ein 1,3 Mio. Sägewerk, Erweiterungen in anderen Betrieben sind geplant – müssen die bereits bestehenden Strukturen optimal genutzt werden. "Die intensive Unterstützung der Forstwirtschaftlichen Vereinigung wird sukzessive in eine Selbstverwaltung übergehen", konkretisierte Karl-Heinz Lieber das Organigramm (siehe Foto).
Im Landratsamt Ostalbkreis geht man von jährlichen Kosten der Forstwirtschaftlichen Vereinigung von 100.000 € aus. Neben Fördermitteln aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschütz (GAK) sowie Mobilisierungsprämien sollen die Gelder aus Mitgliedsbeiträgen stammen. Auch der Landkreis selbst wird zur Finanzierung beitragen. Lieber und Reck ließen in Aalen aber keine Zweifel daran, dass besonders für die Startphase die Unterstützung der Holzindustrie notwendig ist.
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| (IHB Fehrle Foto: Fehrle) |
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